Mission possible?

Mission possible?

Bin ich wirklich schon bereit für Mission?

Sonntag, 3. November 2019

Das Thema Mission / Evangelisation / Sendung / Bezeugen des Glaubens scheint zur Zeit verstärkt in den Fokus meiner Wahrnehmung zu rücken:

  • Im Hauskreis am vergangenen Donnerstag
  • Im Agape-Gottesdienst am vergangenen Freitag
  • Im Arche-Gottesdienst am heutigen Sonntag
  • In der Tageslosung von heute:

Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.
– Apostelgeschichte 4,33 –

Der ERF kommentierte dazu in der Sendung „Wort zum Tag“ wie folgt (hier nur einige Auszüge daraus):

Wer seinen Glauben nicht vor den Leuten bezeugt, steht in Gefahr, dass er ein kraftloses Christsein führt.
[…]
Wir müssen den auferstandenen Jesus nicht aus eigener Kraft bezeugen. Das macht nur Druck und funktioniert nicht. Vielmehr können wir beten, dass Jesus uns dazu Mut und Kraft schenkt.
[…]
Übrigens – wer den Retter Jesus erfahren hat, der hat was zu sagen und will diese Erfahrung weitergeben. Wem seine Sünden vergeben sind, der wünscht sich das für andere Leute auch. Beten wir für Menschen, die noch keine Beziehung zu Jesus haben. Machen wir uns Gedanken, wie wir sie mit dem Evangelium erreichen können. Tun wir es mit Gottes Kraft aus Liebe zu Gott und aus Liebe zu den verlorenen Menschen.

Quelle: ERF, Wort zum Tag vom 03.11.2019: Mit neuer Kraft für Jesus unterwegs sein. Siegfried Skubski über Apostelgeschichte 4,33.

Auch hier ist wieder die persönliche Erfahrung die treibende Kraft, andere Menschen zu erreichen. Ich kann das durchaus nachvollziehen, denn auch ich verspüre in mir den Wunsch, die Liebe Gottes, an die ich zumindest glaube, an andere weiterzugeben. Allerdings habe ich bisher noch keine besonderen persönlichen oder intensiven „Erfahrungen“ mit Jesus gemacht, die ich vor anderen bezeugen könnte und sie so für Jesus begeistern könnte. Ich frage mich, warum das so ist, denn „normal“ scheint das nicht zu sein. Vielleicht ist mein „Fehler“ ja, dass nicht eine Erkenntnis von Sündhaftigkeit und Verlorenheit und auch keine extremen Lebensumstände wie Krankheit oder materielle Nöte Auslöser meiner Suche nach Gott waren, sondern „lediglich“ diese immer schon vorhanden gewesene innere, brennende Sehnsucht nach diesem (mir manchmal immer noch fremden) Gott, die mich – nach vielen Irrwegen – dann schließlich „trotz“ der ganzen damit einhergehenden Theologie zu ihm „hingezogen“ hat. Manchmal frage ich mich, ob das vielleicht die „falschen“ Voraussetzungen, die „falsche“ Motivation gewesen sein könnte. Fehlt mir vielleicht noch etwas Wesentliches? Irgend eine tiefergehende Erkenntnis, Einsicht oder Erfahrung? Nachdenklich stimmt mich auch, dass meine ursprüngliche Sehnsucht nach Gott, die ja der Auslöser meiner Hinwendung zu ihm war, weiterhin ungestillt ist und dass statt Freude weiterhin Traurigkeit und das schmerzliche Gefühl des Getrenntseins von Gott vorherrschen, obwohl doch Jesus ein für alle mal „den Vorhang zerrissen“ und den Zugang zu Gott freigemacht hat.

Aus all diesen Gründen bin ich mir nicht sicher, ob ich für Mission überhaupt schon bereit bin, oder ob ich nicht erst selbst noch „Rettung, Heilung und Befreiung“ (das Motto unserer Gemeinde) brauche. Gut, als „gerettet“ betrachte ich mich schon, aber Heilung und Befreiung scheint schon noch ein Thema zu sein. Vielleicht ergibt sich ja Ende Dezember bei dem „Schritte-Wochenende“ (Schritte im Glauben und in der Heilung) der Agape-Gemeinschaft etwas für mich.

Zu diesem Wochenende sind alle herzlich eingeladen, die auf ihrem Weg mit Gott sowie in ihren Beziehungen zu anderen und zu sich selbst neue und heilsame Schritte gehen möchten.

Mitarbeiter, die diesen inneren Weg für sich selbst gegangen sind und gehen, gestalten durch Erfahrungsberichte, Impulse und mehrere persönliche Gebetszeiten einen Rahmen, in dem Möglichkeiten erwachsen, sich Gott und seiner Liebe neu zu öffnen.

Ein wichtiges Element des Wochenendes sind Zeiten des Gesprächs und des hörenden Segnens, für die viel Raum sein wird. Daneben wird das Wochenende geprägt sein von Zeiten der Stille und der gemeinsamen Anbetung.

Trotzdem beschäftige ich mich aktuell auch mit dem Online-Trainings-Material von Florian Bärtsch (besent.ch), das uns im letzten Hauskreis vorgestellt wurde, um schonmal ein Gefühl dafür zu bekommen, ob das etwas für mich bzw. für uns sein könnte. In seinem Einführungsvideo sagt Bärtsch, dass man 15 Stunden pro Woche aufbringen sollte, damit sich in der Sache eine Dynamik entfaltet. 15 Stunden pro Woche sind natürlich eine Menge – können wir diese Zeit über einen längeren Zeitraum hinweg auch wirklich aufbringen? Auch sagt Bärtsch, dass es wichtig sei, dass bei den „Außeneinsätzen“ jemand mitgeht, der schon Erfahrungen hat. Wo können wir so jemanden finden? Angeblich haben schon mehrere hundert Menschen dieses Training gemacht, daher sollte es doch eigentlich auch einige in unserer Nähe geben. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen und erst einmal Erfahrungen auszutauschen…

Nachtrag vom Montag, 4. November 2019:

Den Vortrag von Florian Bärtsch, den er auf der „Männerkonferenz 2019“ des „Glaubenszentrum Bad Gandersheim“ zum Thema „Berufen zum Senden“ gehalten hat und den ich mir heute unterwegs angehört habe, finde ich sehr inspirierend und ich habe es im Nachhinein bedauert, nicht dabeigewesen zu sein und mich „senden zu lassen“. Denn trotz aller meiner Zweifel, die in diesem und anderen Beiträgen zum Ausdruck gekommen sind, habe ich diesen „Ruf“ gehört und dann Jesus gebeten, mich zu „senden“, auch wenn ich noch nicht weiß, was das konkret bedeutet, aber ich sage mir, wenn Jesus selbst mich sendet, dann wird er mir auch die volle Autorität dazu geben und mich mit allem Nötigen ausstatten. Ich selbst bin nichts, aber mit Jesus ist alles möglich. Oder um wieder auf den „Philipper 4,13“ zurückzukommen, der mir ab dem 1. Oktober an 5 aufeinanderfolgenden Tagen begegnet war:

Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.

Ich finde diesen Gedanken, dass ich aus mir selbst heraus gar nichts tun kann, sondern dass es Jesus Christus ist, der durch mich handelt, unheimlich befreiend und entstressend. Allerdings müsste ich mir sicher sein können, dass es tatsächlich Jesus ist, der mich sendet, denn nur dann hätte ich die nötige Gewissheit, dass er „hinter mir steht“ (oder besser gesagt: vor mir hergeht) und dass ich in seinem Namen handele. Keinesfalls würde ich „auf eigene Faust“ und ohne diese sichere innere Gewissheit einfach so „drauflos marschieren“.

Nachtrag vom Mittwoch, 6. November 2019:

Auch die heutige Tageslosung sowie die Gedanken dazu von Pastor Hans-Peter Mumssen vom Christus Zentrum Arche in Elmshorn passt zum Thema Mission:

Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren.
– Psalm 86,9 –

Es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.
– Matthäus 24,14 –

Das heutige Losungswort beschreibt die Größe Gottes. Keiner ist wie der Gott Israels, der seinen Sohn in die Welt sandte, um uns zu erlösen. Ihn rufen wir als Vater an. Vor ihm werden laut Losung alle Völker anbeten und seinen Namen ehren. Werden sich denn am Ende alle Menschen zu Gott bekehren und in Christus Erlösung finden?

Betrachten wir das Wort „anbeten“ einmal näher. Für die meisten Christen hat Anbetung eine positive Bedeutung. Viele singen dabei Lieder, schauen nach oben oder heben die Hände. Doch Anbetung kann auch etwas ganz anderes bedeuten – nämlich die Knie vor Gott zu beugen oder sich vor ihm niederzuwerfen. Das werden auch Menschen tun, die Gott weder gefürchtet noch an ihn geglaubt haben – ja sogar diejenigen, die gegen ihn gearbeitet haben.

Doch bevor das alles geschieht, soll jeder Mensch auf dieser Welt davon gehört haben, dass Jesus Christus der Erlöser ist. Im heutigen Lehrtext lesen wir, dass das Evangelium überall verkündigt werden soll. Wer immer dann Jesus Christus vertraut und seinen Namen anruft, wird die Knie nicht aus Angst beugen, sondern, weil er bzw. sie von der Liebe Gottes überwältigt ist. So wird es wohl am Ende aller Zeiten zwei Formen der Anbetung geben: von denen, die sich Gott zuwenden und ihn als Vater anrufen, und von denen, die sich vor seiner Macht beugen müssen.

Das alles wirft ein neues Licht auf Jesu Missionsbefehl. Zunächst sollen alle einfach wissen, wer Jesus Christus ist und wie wir seine Erlösung in Anspruch nehmen können. Doch auch wenn jemand nicht auf das Evangelium reagiert, soll er davon erfahren. Kein Bekenntnis, keine Predigt und kein Werben ist also umsonst, selbst wenn niemand darauf eingeht. Das befreit uns von missionarischem Erfolgsdruck und bewahrt uns davor, andere mit Druck zum Glauben zu bewegen. Alle sollen davon gehört haben – das ist unser Auftrag. Alles andere liegt bei Gott.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

Quelle: http://www.cza.de/Gedanken_zur_Tageslosung.html (abgerufen am 06.11.2019).
Hervorhebungen von mir.

Wenn es so ist, wie Hans-Peter Mumssen oben schreibt, dass jeder Mensch auf dieser Welt von Jesus Christus gehört haben soll, dann haben Christen eigentlich eine sehr große Verantwortung, denn dann kommt es ganz entscheidend darauf an, wie sie anderen Menschen Jesus vermitteln. Ich glaube, es macht einen großen Unterschied, ob man jemanden über das Evangelium „belehrt“, oder ob man ihm von seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen mit Jesus erzählt. Eine „Lehre“ vom Evangelium mag zwar sachlich richtig sein, kann aber uninteressant oder im schlimmsten Fall sogar abschreckend auf den Angesprochenen wirken, z.B. wenn ihm gesagt wird, er sei „verloren“ und bräuchte „Erlösung“, sonst würde er die Ewigkeit in der „Hölle“ verbringen. Warum sollte sich auch jemand auf eine Lehre einlassen, die ein Problem beschreibt und gleich auch die Lösung mitliefert? So ähnlich wie bei dem bekannten Spruch: „Ein Computer ist dazu da, Probleme zu lösen, die man ohne Computer nicht hätte.“ Genauso könnte jemand, dem das Evangelium nur in einer sachlich-nüchternen Form vermittelt wird, sich sagen: „Wieso sollte ich mich auf eine Lehre einlassen, die dazu da ist, Probleme zu lösen, die ich ohne diese Lehre nicht hätte?“ Die Herzen der Menschen erreicht man nicht durch Lehren oder gar Angstszenarien, sondern nur, indem man sie im positiven Sinne von Jesus begeistert, und das geht m.E. nur, indem man sie in ihren Herzen berührt, etwa durch eigene Zeugnisse davon, wie man selbst Gottes Liebe erlebt hat, oder indem Gott selbst sie berührt oder vielleicht sogar heilt, etwa nachdem man für den betreffenden Menschen im Namen Jesu gebetet hat. Natürlich ist es letztlich Gott, der an den Menschen wirkt, aber auch Christen haben m.E. einen großen Einfluss darauf, ob und wie sie die Menschen mit der frohen Botschaft erreichen.

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