Sündenerkenntnis

Sündenerkenntnis

Was genau bedeutet Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit und Verlorenheit vor Gott? Muss sie tief empfunden werden, oder genügt es, sie „vom Kopf her“ zu verstehen und anzunehmen?

Sonntag, 24. Februar 2019

Noch einmal zurück zum Eintrag vom 20.02.2019, in dem ich schrieb:

Für evangelikale Christen ist das Erkennen der eigenen Sündhaftigkeit und Schuld sowie die Dankbarkeit gegenüber Jesus Christus für seine Erlösungstat eine unbedingte Voraussetzung für die „geistliche Wiedergeburt“, die dadurch erfolgt, dass man Jesus dankbar als seinen persönlichen Retter annimmt und ihm „sein Leben übergibt“.

Wie bereits gesagt, scheint mir eine solche Erkenntnis meiner eigenen Sündhaftigkeit und meiner Verlorenheit vor Gott wohl noch zu fehlen; daher kann ich bezüglich der Erlösungstat Jesu am Kreuz wohl auch noch nicht genügend Dankbarkeit empfinden. (Möge der Heilige Geist mir diese Erkenntnis noch schenken; ich bete jedenfalls immer wieder darum, dass diese mir noch zuteil werden wird…) Als Konzept habe ich das zwar verstanden und für mich angenommen, aber diese wirklich tiefgreifende Erkenntnis fehlt mir anscheinend noch. Ich hatte bisher nie das Gefühl, von einer besonderen Schuld erlöst werden zu müssen. Es gibt aber viele Berichte von Menschen, die eine solche Erkenntnis eindrücklich beschreiben, wie z.B. den des amerikanischen Pastors John Wimber (nachzulesen im Buch „Fragen an das Leben“ von Nicky Gumbel ab Seite 68), der es zuerst auch nicht begreifen konnte, was das Kreuz mit ihm zu tun haben soll, bis er dann plötzlich diese Erkenntnis hatte und darüber in Tränen ausbrach und nur noch „oh Gott, oh Gott“ schluchzen konnte, weil er sich plötzlich bewusst wurde, wie weit er sich durch seine Sünden von Gott entfernt hatte. Von einer solchen Erkennnis scheine ich noch weit entfernt zu sein … oder … vielleicht doch nicht? Könnte es sein, dass sich dies bei mir nur etwas anders darstellt? Ich kann vielleicht mit den Geschichten von Schuld und Opfertod nicht so viel anfangen, aber die Getrenntheit von Gott ist mir durchaus schmerzlich bewusst. Diese äußert sich in der schon beschriebenen inneren Sehnsucht nach Gott, die sich wie „Liebeskummer“ anfühlt und mir förmlich das Herz zerreißt und mich manchmal sogar in Tränen ausbrechen lässt, wenn ich diesen Gefühlen nicht ausweiche. Besonders bewusst wird mir diese Diskrepanz zwischen dem aktuellen „Istzustand“ der Getrenntheit und dem „Sollzustand“ der Vereintseins mit Gott, wenn ich in der Bibel Aussagen lese wie „Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, will ich mich von euch finden lassen.“ (Jeremia 29,13) Ich frage mich dann: „Gott, ich weiß doch, dass du mich als dein Kind liebst und dich nach mir sehnst; ich liebe dich auch und sehne mich nach dir – also was in aller Welt hält uns denn dann noch voneinander getrennt?“ Es gehen mir dann so Gedanken durch den Kopf wie: „Bin ich es vielleicht nicht wert?“, „Geht es mir noch zu gut?“, „Es gibt ja sicher Menschen, die seine Liebe nötiger haben als ich.“, „Was soll eigenlich dieses Theater? Stell dich doch nicht so an, du machst dich doch lächerlich, es geht dir doch gut im Vergleich zu anderen.“. Natürlich weiß ich, dass solche Gedanken Unsinn sind und nur auf Selbstmitleid beruhen, denn mir ist ja klar, dass nicht Gott es ist, der sich vor mir verborgen hält (auch wenn es mir so erscheint), sondern dass es etwas mir mir zu tun haben muss. Wahrscheinlich damit, dass ich mich von ihm abgewendet hatte und meine spirituelle Suche jahrzehntelang fehlgeleitet war, oder dass mir andere Dinge wichtiger waren oder noch sind. So gesehen, bin ich natürlich schon „sündig“ in dem Sinne, dass ich durch mein fehlgeleitetes Verhalten und durch meinen Versuch, eigene Wege zu gehen, von Gott getrennt bin – auch wenn ich weiß, dass das niemals wirlich der Fall war, aber offenbar habe ich mir den Zugang zu Gott irgendwie „verbaut“.

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