Irrweg: Der Präsenz-Prozess

Irrweg: Der Präsenz-Prozess

Beim „Präsenz-Prozess“ geht es darum, mit Hilfe einer speziellen Atemtechnik blockierte Emotionen, die den Menschen seit seiner Kindheit in seinem Denken, Fühlen und Handeln unbewusst beeinflussen, bewusstzumachen und aufzulösen. Am Ende dieses Prozesses soll dann ein befreites Leben aus dem Jetzt heraus stehen.

Hinweis
Auf meiner „spirituellen Suche“ habe ich eine Vielzahl an Methoden ausprobiert, die mich aber letztlich alle nicht zum Ziel geführt haben. Deswegen bezeichne ich sie rückblickend als „Irrwege“. Einer davon ist hier beschrieben.
Zu weiteren Irrwegen siehe hier.

Dienstag, 21. Juli 2015

Fast schon mein ganzes Leben lang bin ich eigentlich auf der Suche nach dem „Göttlichen“, dem „göttlichen/höheren Selbst“, der reinen, ursprünglichen Wahrheit – wie immer man es mangels passender Worte auch bezeichnen will. Nach etwas, das meinem Leben Sinn, Fülle, Liebe und Freude gibt, die zur Grundlage meines Tuns werden, aus der heraus ich mein Leben gestalte und letztlich wiederum auch der Welt und ihren Geschöpfen dienen kann. Ein gleichzeitiges Nehmen und Geben, was nichts anderes bedeutet, als die Lebensenergie „fließen“ zu lassen. Denn das ist es, wofür Menschen wirklich „gemacht“ sind, was ihre eigentliche Natur ist.

Dies ist eine Lebensaufgabe, und in meinem Fall kann ich sagen, daß es mein einziger Lebenszweck ist. Alles – wirklich alles -, was ich denke oder tue, ist letztlich auf dieses eine Ziel hin ausgerichtet. Ich habe keinerlei Ambitionen, in diesem Leben etwas auf der materiellen Ebene zu erreichen oder Ansehen zu erlangen. Karriere beispielsweise geht mir sowas von am Allerwertesten vorbei, ebenso materielle Besitztümer, abgesehen von täglichen Bedarf und einem gewissen Standard an Lebensqualität, wozu sicher auch diverse Konsumgüter gehören. Aber ein Auto, geschweige denn ein „schickes Auto“ oder sonst ein umweltverpestendes Vehikel benötige ich nicht und lehne dies sogar ab. Am Reisen finde ich ebenfalls nichts Erstrebenswertes. Viele Menschen scheinen der Ansicht zu sein, sie würden etwas verpsssen, wenn sie ihre Lebenszeit nicht dazu nutzen würden, möglichst viel von „der Welt“ zu sehen. Ich kann diese Ansicht nicht teilen. Was könnte ich „da draußen“ schon finden, das ich nicht auch dort finden kann, wo ich gerade bin? Die Wahrheit liegt sicher nicht irgendwo da draußen!

Im Prinzip lebe ich recht bescheiden, auch was meine sozialen Kontakte betrifft. Ich könnte nicht sagen, daß ich enge Freunde habe – abgesehen vielleicht von einigen Vereinskollegen, mit denen ich zusammenarbeite und nähere Kontakte pflege, weil es die Vereinsarbeit erfordert. Ich lebe als einziger aus meiner Famille alleine und zudem noch hunderte Kilometer von ihr entfernt. Abgesehen von Beruf und Verein habe ich kaum soziale Kontakte, ich lebe also mehr oder weniger wie ein „Eremit“ und fühle mich wohl dabei. Ich brauche meine Rückzugsmöglichkeit und könnte mir nicht vorstellen, ständig mit jemand zusammenzusein, nie mal alleine sein zu dürfen. Das ist wohl auch eine Frage der Mentalität, ich gehöre eindeutig zu dem Bevölkerungsdrittel der Introvertierten und bin dankbar dafür. Dennoch sieht meine Idealvorstellung eines erfüllenden Lebens den Austausch und die Verbundenheit mit allem vor – mit Menschen, mit der Natur, mit allem. Wie paßt das zusammen? Nun, auch wenn es jetzt nicht so aussieht, heißt das ja nicht, daß es so bleiben muß. Es kann sich immer etwas verändern, auch im nicht mehr ganz so jugendlichen Alter von in meinem Fall fast 48 Jahren. Zwar werde ich nicht die Grundstrukturen meiner Persönlichkeit radikal ändern können, aber zumindest psychische Blockaden, die mich an der Umsetzung bestimmter Ziele hindern, können gelöst oder beseitigt werden.

Mein einziges und großes Lebensziel ist es also, aus einem „erleuchteten Geist“ heraus zu leben. Und was habe ich nicht schon alles versucht, um diesem Ideal näherzukommen. Vor allem rein mentale Methoden wie Meditation – hier insbesondere Zen – habe ich lange Zeit probiert, ohne wirklich in der Lage gewesen zu sein „ganz im Hier und Jetzt“ zu verweilen. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht alle meine Versuche aufführen, die ich zwischen 1987 und 2015 unternommen habe, aber fast allen war gemeinsam, daß es sich um Methoden handelt, die sich mehr oder weniger „im Kopf“ abspielen. Ich war davon überzeugt, daß es nur irgendwie „Klick“ machen muß im Gehirn, und ich „durchschaue die Matrix“, ich „wache auf“ aus meinem Lebens-Traum zu meinem „wahren Ich“. Daß eine rein mentale Herangehensweise für mich nicht funktioniert, habe ich also inzwischen erfahren.

Nun bin ich vor einigen Tagen – genauer gesagt am vergangenen Wochenende – beim Websurfen auf den Blog eines „Steven Black“ gestoßen. Dort geht er in drei Artikeln auf genau dieses Thema ein. Viele, die als „Erwachte“ gelten, benähmen sich alles andere als erwacht, da ihr „Masken-Selbst“ weiterhin sehr bestimmend sei. Ursache sei, daß sie ihre tiefsitzenden Emotionen nicht im Griff hätten und diese weiterhin deren Leben dominierten. Der Autor geht dann auf eine Methode ein, die er selbst an sich ausprobiert hat und die er für wesentlich hält, auch diesen vernachlässigten Bereich anzugehen und dadurch dann in die Lage versetzt wird, wirklich in der reinen Präsenz zu bleiben. Es handelt sich im den „Präsenz-Prozeß“ (engl. „The Presence Process“) des in Südafrika lebenden Autors Michael Brown. Dieser hat auf Grundlage eigener Erfahrungen eine Methode entwickelt, um blockierte Emotionen, die den Menschen seit seiner Kindheit in seinem Denken, Fühlen und Handeln unbewußt beeinflussen, bewußtzumachen und aufzulösen. Am Ende dieses Prozesses steht dann ein befreites Leben aus dem Jetzt heraus. Die ehemals gebundenen Energien, die dafür aufgewendet werden mußten, um die unverarbeiteten Emotionen „im Zaum“ zu halten, werden frei und können nun für die eigentlichen Ziele genutzt werden. Auch seien es diese Emotionen, die uns davon abhalten, in der reinen Präsenz zu verweilen, die nach Michael Brown wir alle miteinander teilen und die – auch wenn er das aus bestimmten Gründen so nicht schreibt – letzten Endes nichts anderes ist als „das Göttliche“, der Urgrund, der allem zugrundeliegt.

Die gebundenen Emotionen seien es zudem auch, die sich in allen möglichen Krankheiten und seelischen wie körperlichen Leiden ausdrücken können, die wir zum Teil schon unser ganzes Leben lang mit uns herumschleppen. Wenn ich allein an mich denke, was ich so alles „habe“ – regelmäßige (meist wöchentliche) Kopfschmerzen bzw. Migräne, Verspannungen vor allem im Rückenbereich – darunter bisher zweimal einen „Hexenschuß“ -, Tinitus, Gelenkschmerzen (zeitweise), und was nicht noch alles für „Zipperlein“, die gerne dem „Alter“ zugeschrieben und als unvermeidlich angesehen werden. Wenn man also davon ausgeht, daß dies alles nur durch unverarbeitete und gestaute Emotionen verursacht wird, dann kann einem schon ein Licht aufgehen. In diesem Zusammenhang ist auch „TMS“ zu sehen – eine Krankheit oder besser gesagt ein „Syndrom“ (Krankheitskomplex), die sich in Verspannungen, Schmerzen und allerlei körperlichen und psychischen Symptomen äußert, die offenbar keine körperliche Ursache haben, sondern allein psychisch bedingt sind. Auf dieses Thema war ich gestern gestoßen, als ich nach Erfahrungsberichten zum Thema „Presence Process“ suchte. Offenbar eignet sich dieser Prozess insbesondere für Menschen, die an TMS leiden, denn auch da wird als einzige Heilmöglichkeit angegeben, unverarbeitete Emotionen bewußt zu machen und zu integrieren.

Nach der Theorie von Michael Brown durchläuft jeder Mensch drei Entwicklungsphasen von je ca. 7 Jahren, in denen sich zuerst der Emotionalkörper entwickelt (bis zum 7. Lebensjahr), danach der Mentalkörper (bis zum 14. Lebensjahr), und zum Schluß entwickelt sich der physische Körper hin zu seinem Endstadium (bis zum 21. Lebensjahr). Emotionen werden somit schon im Baby- und Kleinkind-Alter wahrgenommen, können aber mental noch nicht verarbeitet werden. Negative Emotionen wie Angst, Wut oder Trauer, z.B. hervorgerufen durch den Eindruck, von den Eltern nicht genügend Liebe oder Aufmerksamkeit zu bekommen, führen somit zu Strategien und Verhaltensweisen, um diese Aufmerksamkeit dann doch zu erhalten. Die damit einhergehenden Emotionen bleiben aber unverarbeitet und wirken von da an immer dann, wenn sie durch äußere Umstände „angetriggert“ werden, aus dem Verborgenen heraus, indem sie immer wieder das gleiche erlernte „Programm“ abspulen. Das kann – wenn der Mensch später nichts mehr daran ändert – ein Leben lang so bleiben. Jede emotionale Verletzung in der frühen Kindheit – so banal und unbedeutend sie einem erwachsenen Menschen auch erscheinen mögen, kann sich so in Form eingechlossener emotionaler Energie anstauen und fortan unser Leben bestimmen. Wir handeln nicht mehr frei, sondern werden gesteuert.

Diese eingeschlossenen, angestauten Energien wieder zu befreien, ist Zweck des „Presence Process“. Ziel ist, daß die Lebensenergie wieder in Bewegung kommt und frei fließt (E-Motion = Energie in Bewegung). Die Methode hierzu ist eine bestimmte Atemtechnik, bei der unbewußte und eingeschlossene Emotionen hochkommen, dann bewußt wahrgenommen und so als Persönlichkeitsanteil integriert werden.


Soweit mein damaliger Bericht vom 21.07.2015. Nachdem ich die in dem Buch angegebenen Atemübungen über 10 Wochen hinweg gemacht hatte, musste ich allerdings feststellen, dass diese keine besondere Wirkung bei mir hatten. Weder sind irgendwelche unbewussten Emotionen hochgekommen, noch hat sich sonst irgend etwas Besonderes ereignet, abgesehen von den körperlichen Symptomen der Hyperventilation wie Schummrigkeit und Kribbeln, die mit der Atemtechnik des „Verbundenen Atmens“ (Ein- und Ausatmen ohne Pausen dazwischen) einhergehen. Allerdings hatte ich regelmäßig mit großer Müdigkeit zu kämpfen. Ich interpretierte das dahingehend, dass sich mein Unterbewusstsein vielleicht davon abhalten will, dass mir bestimmte Emotionen bewusst werden. Vielleicht hätte ich den Prozess ja noch einige Male machen sollen. Einige Anwender haben ihn gleich mehrfach hintereinander durchlaufen und sind dabei an immer tiefere Schichten von Emotionen herangekommen und haben diese durch das Fühlen dann transformieren können und so ihr „Wahres Selbst“ Schicht um Schicht freilegen können. Allerdings haben diese Leute auch vergleichsweise schlimme Schicksale erlebt (schwere Kindheit, Drogen), was bei mir nicht der Fall war. Ich für meinen Teil hatte jedenfalls für einen weiteren Durchlauf keine Ausdauer mehr, und so ganz ohne jegliche Ergebnisse war meine Motivation auch weitestgehend dahin…

Kommentare sind geschlossen.