Irrweg: Meditation mit den „Tafeln von Chartres“

Irrweg: Meditation mit den „Tafeln von Chartres“

Hierbei handelt es sich um eine interessant erscheinende Meditationsmethode, die auf einfachste Weise ein Biofeedback ermöglicht, das die Gehirnwellen beider Hemisphären synchronisieren soll und dadurch besonders effektiv sein soll.

Hinweis
Auf meiner „spirituellen Suche“ habe ich eine Vielzahl an Methoden ausprobiert, die mich aber letztlich alle nicht zum Ziel geführt haben. Deswegen bezeichne ich sie rückblickend als „Irrwege“. Einer davon ist hier beschrieben.
Zu weiteren Irrwegen siehe hier.

23. Oktober 2017

Die Suche nach dem „wahren Selbst“

Vermutlich jeder Mensch stellt sich im Verlaufe seines Lebens einmal grundlegende Fragen nach dem „Woher, Wohin, Wozu“. Wer das nicht nur als rein theoretische Gedankenspiererei betreibt, sondern für den diese Fragen immer bohrender werden, landet irgendwann vielleicht bei spiritueller Literatur oder auf entsprechenden Websites und entdeckt, dass diese Fragen bereits vor Jahrtausenden die Menschen umgetrieben haben und zu Wegen der Selbstergründung geführt haben, die den Zweck haben, Antworten auf diese und andere grundlegende Fragen des menschlichen Lebens und Seins zu liefern. Im Laufe der Zeit sind viele dieser Wege jedoch durch Religionssysteme vereinnahmt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden; Hintergrund dafür sind meistens weltliche Machtbestrebungen, denen unabhängige, „wissende“ Individuen entgegenstehen. Dennoch haben sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg in den Kulturen und religiösen Traditionen die spirituellen Wege – oder zumindest Reste davon – erhalten können. Im Christentum ist dies etwa die Kontemplation, im Judentum die Kabbala, im Islam der Sufismus, im Hinduismus der Yoga und im Buddhismus der Zen. Wer über das offizielle Angebot der Religionen hinaus nach Wegen der Selbstergründung und der Gotteserfahrung sucht, muss meist genauer nachfragen oder sich gleich anderweitig informieren (Literatur, Internet, persönlicher Austausch mit anderen Menschen).

Meine Suche

Ich (50) bin eigentlich schon mein ganzes Leben lang „auf der Suche“ (mangels besserer Worte sage ich einfach mal: nach mystischer Erfahrung). Leider habe ich bis jetzt noch nicht „gefunden“; ich habe vielmehr den Eindruck, festzustecken und nicht so recht weiterzukommen bei meiner spirituellen Suche. Schon als Jugendlicher las ich „esoterische“ Bücher über Hypnose, Reinkarnation, „Leben nach dem Tod“ und Meditation als Möglichkeit, Zugriff zu den normalerweise verborgenen Möglichkeiten des menschlichen Geistes zu erlangen. Auch für grenzwissenschaftliche Themen und paranormale Phänomene interessierte ich mich schon früh, ohne jedoch jemals ein solches Phänomen selbst erlebt zu haben. Im Laufe der Zeit habe ich viel ausprobiert – u.a. Autosuggestion, Positives Denken, Orgon, Geistiges Heilen, Reiki, Löffelbiegen, HemiSync, Zen, Transkommunikation -, fand jedoch nie einen wirklichen Zugang zu dieser „anderen Welt“ jenseits des Verstandes und der normalen menschlichen Emotionen. Aus irgend einem Grund schien bzw. scheint meine Erfahrungswelt vollständig auf die von mir als unwirklich und profan empfundene materielle Welt beschränkt zu bleiben; alles erscheint in sich konsistent zu sein, ohne jegliche „Fehler in der Matrix“, anhand derer man vielleicht wenigstens einen kleinen Blick in die „Anderswelt“ erhaschen könnte, geschweige denn einen Zugang dorthin zu finden. All mein diesbezügliches „Wissen“ stammt bisher lediglich aus irgendwelchen Quellen wie Büchern, Webseiten, Filmen oder Erzählungen anderer Personen, gründet sich jedoch nicht auf eigene Erfahrungen und ist somit faktisch nichts wert. Die Suche geht weiter…

Als Außenstehender könnte man sich fragen, warum sich jemand wie ich, der bisher über keinerlei spirituelle, „paranormale“ oder bewusstseinsverändernden Erfahrungen verfügt und scheinbar auch keinen Zugang zu derartigen Erfahrungen findet, über Jahrzehnte hinweg immer wieder abmüht, etwas zu erreichen oder zu finden, das zu erreichen oder finden für so jemanden eigentlich aussichtslos sein müsste. – Zumindest frage ich mich das manchmal selbst…

Aber irgend etwas in mir drängt, zieht und zerrt mich immer wieder dahin, fortzufahren mit der Suche nach… ja, nach was denn nun eigentlich? Ich weiß es selbst nicht genau; ich kann nur sagen, dass etwas in mir wie eine Sehnsucht brennt – mal stärker, mal schwächer, aber immer da. Also probiere ich es alle paar Jahre immer wieder – nur um dann nach einigen Wochen oder Monaten der Übung (meist Meditation) festzustellen, dass das alles doch sehr mühsam ist und anscheinend nichts bringt. Anfangs geht alles noch relativ easy, aber irgendwann fängt es dann an, anstrengend und öde zu werden, weil scheinbar „nichts“ passiert außer dass ich mit inneren und äußeren Widerständen zu kämpfen habe (z.B. Rückenschmerzen, Konzentrationsmangel, Müdigkeit) und schließlich irgendwann entmutigt aufgebe.

Die Tafeln von Chartres

Auf die „Tafeln von Chartres“ war ich bereits vor mehreren Jahren (ca. 2008) gestoßen. Es handelt sich um eine Meditationsmethode, die vor Jahrhunderten im europäischen Kulturraum verbreitet war und mit dem Erstarken der Katholischen Kirche im Zuge der Inquisition unterdrückt wurde – so wie alles Andere, das nicht ins Konzept passte. Einzig die Zigeuner konnten der kirchlichen Verfolgung dank ihrer mobilen Lebensweise entkommen und ihre spirituellen Traditionen bewahren – darunter auch die Tafeln von Chartres. „Wiederentdeckt“ wurden sie erst Ende der 1970er Jahre durch Pierre Derlon, der mehrere Jahre mit Zigeunern lebte und in deren Geheimnisse eingeweiht wurde (siehe sein Buch „Die Gärten der Einweihung“). Aufgegriffen und als spirituelle Methode zur Geistesschulung einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden die Tafeln von Chartres von George Pennington 1996 in seinem Praxis-Buch „Die Tafeln von Chartres“, das 2017 in der 7. Auflage erschienen ist – also offenbar immer noch hochaktuell und nachgefragt. Gleichwohl handelt es sich im eine relativ unbekannte Meditationsfrom.

Interessant an dieser Meditationsmethode fand ich damals schon den Aspekt des „eingebauten Bio-Feedbacks“, der es ermöglicht, anhand der wahrgenommenen Mischfarbe der fusionierten Tafelreihen auf die Aktivität der Gehirnhälften zu schließen und diese dadurch zu synchronisieren. In seinem Buch „Die Tafeln von Chartres“ beschreibt George Pennington noch viele weitere Aspekte der Meditation mit den Tafeln, die diese zu einem umfassenden Weg der Geistesschulung machen, der den östlichen Wegen (Yoga, Zen) in nichts nachsteht.

Im September 2017 erinnerte ich mich wieder dieser Methode, und ich begann nun, regelmäßig mit den Tafeln von Chartres unter Anleitung des Buches von George Pennington zu meditieren. Aber auch hier merkte ich schon bald, wie ich wieder an Grenzen stieß. Ich hatte den Eindruck, einfach nicht tief genug in die Meditation hineinzukommen. Ich konnte zwar relativ problemlos eine Stunde lang vor den Tafeln sitzenbleiben, aber die o.g. Schwierigkeiten tauchen irgendwann unweigerlich auf.

Natürlich sage ich mir dann, das sind sicher die von George Pennington erwähnten „Hüter der Schwelle“, die mich vor irgendwelchen verdrängten, schmerzhaften Erfahrungen beschützen wollen – und mich so daran hindern, das nächste „Bewusstseinslevel“ zu erreichen. Zwar sind mir keine solchen (traumatischen) Erfahrungen bewusst, aber das liegt wohl in der Natur der Sache. (Wenn, dann müssten solche Erfahrungen schon sehr weit in der Kindheit zurückliegen, denn zumindest aus der Zeit meines bewussten Erlebens kann ich mich an keine Vorfälle erinnern, die ich verdrängt hätte; und an Amnesie glaube ich nicht zu leiden.)

Seit ca. 4 Wochen (d.h. seit Ende September 2017) übe ich nun mit den Tafeln von Chartres. Die Sitzungen dauern i.d.R. 60 Minuten; werktags mache ich eine morgens früh nach dem Aufstehen, und an freien Tagen zwei zu unterschiedlichen Zeiten.

Während der ersten beiden Wochen hatte ich die Tafeln ausgedruckt auf A3-Papier an der Wand hängen und setzte mich mit ca. 1 m Abstand davor (im Fersensitz auf einem aufblasbarem Kissen, das auf einer Matte liegt). Später ging ich dazu über, die Tafeln vor mich auf den Boden zu legen; anfangs mit aus farbigem Papier ausgeschnittenen Tafeln (Kreis-Durchmesser: 158 mm), seit heute mit farbig lackierten Sperrholz-Tafeln (Kreis-Durchmesser: 212 mm), die ich am Wochenende hergestellt hatte. Der Aufsichtwinkel beträgt dabei etwa 45 Grad. Da hierdurch eine Parallaxenverschiebung auftritt, d.h. die beiden senkrechten Tafelreihen kommen bei der Fusion nicht mehr vollständig zur Deckung, wurden die senkrechten Achsen der beiden Tafelreihen nach oben hin um jeweils ca. 3 Grad nach außen geneigt. George Pennington riet mir zwar in einer Mail davon ab, die Tafelreihen anders als parallel zueinander auszurichten, da dies nicht der ursprünglichen Tradition entspricht; andererseits hat er selber bei den im Buch abgebildeten Tafeln sowie bei den von ihm auf seiner Webseite zum Download angebotenen und in seinen Seminaren eingesetzten Tafeln einen Versatz eingebaut, um das 3D-Sehen zu testen, was auch nicht dem Original entspricht. Aus diesem Grunde denke ich, dass eine leichte Neigung der Tafeln nach außen der Wirkung keinen Abbruch tut und verwende sie daher weiter.


Hier enden meine Aufzeichnungen vom Oktober 2017. Insgesamt hielt ich diese Meditationsform vier Monate durch, von September 2017 bis Dezember 2017. Ich war sogar ein klein wenig stolz auf mich, dass ich es tatsächlich schaffte, morgens schon eine Stunde früher aufzustehen, um zu meditieren. Mit den Tafeln fiel mir die Konzentration auf den gegenwärtigen Augenblick auch leichter als z.B. bei der Atembeobachtung oder anderen Hilfsmitteln, allerdings brachte es mir letztlich auch nichts. Und wie das bei mir nun mal so ist, wenn sich nach einer gewissen Zeit der Übung „nix tut“: irgendwann lässt meine Motivation nach und die Sache verläuft im Sande…

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