Christliche Sichtweisen

Christliche Sichtweisen

Ewige Folter in der Hölle? Wo bin ich da nur hingeraten? Muss ich diese „Kröte“ wirklich mitschlucken, wo ich doch einfach nur Gott finden will?

Dienstag, 27. November 2018

In den letzten Tagen hatte ich mich etwas mit christlichen Sichtweisen beschäftigt. Unter anderem las ich auf www.erf.de, der Webseite des deutschlandwweit über DAB+ ausgestrahlten Radiosenders „ERF plus“ (das Kürzel ERF steht für „Evangeliums-Rundfunk“), sowie auf gottkennen.de. Die theologische Richtung dieser beiden Seiten scheint evangelikal zu sein; die Bibel wird ziemlich wörtlich ausgelegt, d.h. Gott ist eine Person mit Gefühlen wie Liebe und Zorn; alle Menschen sind – unabhängig von ihren Taten – von Geburt an schuldig vor Gott und des Himmels unwürdig; Jesus Christus ist dafür durch den Kreuzestod stellvertretend für die Menschen bestraft worden, und nur wer ihn als seinen persönlichen Retter annimmt, kommt nach dem Tod in den Himmel, alle anderen kommen zuerst vor ein Gottesgericht und danach in die Hölle, wo sie auf ewig gefoltert werden – ohne Chance auf Gnade.

Eine solche angstmachende Sichtweise könnte ich persönlich nie für mich annehmen, daher würde ich mich auch niemals zu einer Glaubensrichtung bekennen, die solche „extremistischen“ Auffassungen vertritt. Nach meinem Gefühl ist an einer solchen Theologie etwas grundsätzlich falsch. Es wird zwar gesagt, Gott sei gerecht und würde den freien Willen der Menschen respektieren und so auch seine Entscheidung, das Geschenk der Erlösung nicht anzunehmen, wofür sie dann allerdings die Konsequenzen zu tragen hätten – allerdings wirft auch dies Fragen auf wie:

  • Bedeutet „freier Wille“, sich nur zwischen zwei vorgegebenen Extremen (Himmel oder Hölle) entscheiden zu dürfen?
  • Ist der Mensch gefragt worden und hätte auch dankend ablehnen können, sich einer solchen Entscheidung überhaupt zu stellen?
  • Was ist mit Menschen, die Gott zwar von ganzem Herzen lieben, aber mit der christlichen Heilslehre nichts anfangen können?
  • Ist es gerecht und verhältnismäßig, wenn Menschen aufgrund eines kurzen irdischen Leben auf ewig gerichtet werden?
  • Zeugt es von Liebe und Mitgefühl, Menschen zu foltern?
  • Wie können Christen im Himmel glücklich sein, wenn sie wissen, dass gleichzeitig andere auf ewig „Höllenqualen“ erleiden müssen?
  • Existiert die Hölle außerhalb von Gottes Schöpfung? (Dann wäre Gott nicht alles, was existiert.)
  • Wie authentisch kann Gottesliebe sein, wenn im Hintergrund ständig die Angst vor der Hölle mitschwingt?

Ich bin zwar kein Theologe und kann daher nur aus meiner begrenzten Sicht sprechen, aber wenn – wie es heißt – Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat, dann hat Gott auch so etwas wie das, was wir umgangssprachlich als Herz bezeichnen, also Mitgefühl mit fühlenden Wesen, und das passt einfach nicht zu einem Szenario der ewigen Verdammnis.

Ich könnte mir vorstellen, dass „Hölle“ ein empfundener Zustand ist, der etwa durch Gottesferne entsteht und auf Dauer als seelische Qual empfunden wird. Die beschriebene Abwesenheit von Gott in der Hölle bedeutet aber nicht, dass Gott dort nicht existiert – Gott existiert schließlich überall, sonst wäre er nicht Gott -, sondern dass der betreffende Mensch Gott bewusst aus seinem Leben ausgeklammert hat.

Der Begriff „ewig“ ist ebenfalls missverständlich und wird oft mit „endlos“ gleichgesetzt, jedoch gibt es im Jenseits keine Zeit wie in der physischen Dimension, daher lassen sich irdische Zeitvorstellungen dort gar nicht anwenden. „Zeitlos“ wäre vielleicht der bessere Ausdruck. Das würde bedeuten, dass niemand „auf ewig“ in einem Zustand verbleibt und es daraus kein Entrinnen gibt, sondern auch in der Ewigkeit kann es Entwicklung geben – vielleicht nur nicht so, wie wir es uns mit unserem begrenzten irdischen Bewusstsein vorstellen können. Die Dimension Gottes ist so unendlich viel größer als das, was wir überhaupt erfassen können, daher sind menschliche Begriffe wie Himmel, Hölle und Ewigkeit auch nicht 1:1 auf die göttliche Realität übertragbar, sondern sie stellen Metaphern für etwas dar, das das Auffassungsvermögen der Menschen bei weitem übersteigt. Metaphern beschreiben nicht „die Wirklichkeit, wie sie ist“, sondern es handelt sich um vereinfachende Bilder, angepasst an die Vorstellungen der Menschen in den jeweiligen Kulturen, die ihnen als Richtschnur für ihr Leben dienen sollen. Bei zu konkreter Auslegung der verwendeten Bilder und Metaphern besteht allerdings die Gefahr von Missverständnissen oder sogar von bewusstem Missbrauch zum Zwecke der Manipulation vom Menschen, wie dies im Christentum am Beispiel des Ablasshandels im Mittelalter auch geschehen ist.

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