Sehnsucht nach Gott

Sehnsucht nach Gott

Sämtliche „spirituellen Irrwege“, die ich jahrzehntelang gegangen war, dienten letztlich doch nur einem Zweck: Den Gott meiner Sehnsucht zu finden.

Sonntag, 25. November 2018

Bis zum Alter von 12 Jahren hatte ich einen ausgeprägten, christlich geprägten Gottesglauben. Oft malte ich mir in meiner Phantasie aus, wie ich zur Zeit Jesu leben würde, um als einer seiner Jünger ihm nachzufolgen, oder wie ich sogar als Märtyrer für Gott sterben würde. Ich wollte Gott einfach nahe sein und alles für ihn tun. Ich liebte diesen allmächtigen, gütigen Vater, als den ich ihn sah, sowie Jesus als Gottes Sohn und persönlichen Freund.

Als Kinder wurden wir katholisch getauft und waren geprägt von christlichen Festen und sonntäglichen Gottesdiensten sowie später vom Religionsunterricht, den ich durchaus in positiver Erinnerung habe. Im Grundschulalter bekam ich eine bebilderte Patmos-Bibel, in der ich gerne las. Ich ging zur Kommunion und später zur Firmung. Irgendwann kurz danach verblasste jedoch mein Gottesglaube, ähnlich wie eine als einseitig empfundene, nicht erwiderte Liebe irgendwann verblasst. Schule, Ausbildung, Hobbys und das Interesse am anderen Geschlecht standen nun im Vordergrund.

Ausgelöst durch verschiedene, nicht so schöne Erfahrungen in der Jugend begann ich wenige Jahre danach – im Alter von vielleicht 19 Jahren – mich auf eine spirituelle Suche zu begeben. Mein kindlicher Glaube an einen persönlichen Gott erschien mir überholt; Gott war für mich kein persönliches Gegenüber mehr, das man direkt ansprechen konnte, sondern eine unpersönliche Ur-Energie, die allem Existierenden zugrundeliegt. Ich suchte von nun an nach „dem Göttlichen“ und nach Wegen, dies zu erfahren und mich darin zu verwirklichen. Ich las Unmengen an spiritueller und esoterischer Literatur in der Hoffnung, hier Antworten zu finden, praktizierte spirituelle Übungen wie Yoga und Meditation, besuchte Seminare und probierte dieses und jenes aus – immer angetrieben von einer tief sitzenden Sehnsucht nach etwas Größerem und nach Sinn in meinem Leben.

Am ehesten entsprach der Buddhismus meinen Vorstellungen, und so übte ich mich einige Jahre in Zen-Meditation – immer in der Hoffnung, dadurch die Erfahrung des „Göttlichen“ zu machen, was mir aber nicht gelang. So wendete ich mich auch anderen Glaubensrichtungen wie dem Advaita Vedanta zu. Ich wollte „mein Bewusstsein erweitern“, „erleuchtet werden“ und die materielle Welt als „Illusion“ erkennen, um mein „wahres, göttliches Wesen“ zu erfahren. Zwischendurch besann ich mich auch auf meine eigenen religiösen Wurzeln und befasste mich zeitweise mit den christlichen Mystikern des Mittelalters wie Meister Eckhart oder Johannes vom Kreuz. Durch christiche Kontemplation wollte ich Gott „direkt erfahren“ – und bin wiederum kläglich gescheitert. Es schien einfach nichts zu geben, das mir einen Weg zu Gott wies. „Gott sei Dank“ habe ich nicht auch noch bewusstseinserweiternde Drogen ausprobiert, dafür jedoch verschiedene technische Methoden zur Bewusstseinsveränderung wie etwa HemiSync, HoloSync 3D, Mind-Machines – alles immer mit dem Ziel, mein Bewusstsein zu erweitern, um so einen Blick in eine andere Realität zu erhaschen, von der ich hoffte, dass sie mich der Wahrnehmung von Gott näherbrachte. Genützt hat das alles nichts – nach über 30 Jahren des Herumirrens bleibt mein Bewusstsein weiterhin fest in der profanen, diesseitigen Realität verankert und meine Sehnsucht nach dem Transzendenten, nach dem Göttlichen ist weiterhin unerfüllt geblieben.

Während der ganzen Zeit habe ich meinen innersten Glauben an den Gott meiner Kindheit und meine brennende Sehnsucht nach ihm nie verloren. Ich hatte diese nur – soweit es ging – ausgeblendet, um nicht den seelischen Schmerz des Getrenntseins von Gott spüren zu müssen. Letztlich brauche – und will – ich diesen ganzen „esoterischen Kram“ ja eigentlich gar nicht – das Einzige, was ich je wirklich brauche und will, ist Gott allein. Ich wäre sofort bereit, meine gesamte spirituelle Suche und alles, was damit zusammenhängt, über Bord zu werfen, wenn ich einmal die Größe und die Liebe Gottes in mir spüren würde. Doch wenn ich in stillen Momenten an ihn denke, überkommt mich keine Freude, sondern Traurigkeit, weil er mir so unerreichbar erscheint. Nach solchen Phasen bin ich dann meist gefühlsmäßig „ausgebrannt“, und dann ist da nur noch Leere und ich frage mich, was soll dieses Theater eigentlich? Ist das nicht alles nur „Jammern auf hohem Niveau“? Mache ich mir da nicht einfach nur selbst was vor? Es geht mir doch gut im Leben, warum beklage ich mich? Vielleicht bin ich es ja, der einfach nur nicht erkennt, wie sehr Gott mich liebt und wie er für mich sorgt – ähnlich wie bei einem Fisch im Wasser, der das ihn umgebende Wasser auch nicht bemerkt, weil es so selbstverständlich immer da ist. Und es stimmt ja auch: Äußerlich betrachtet geht es mir ja sehr gut, in meinem Leben hat sich alles immer zu meinem Besten entwickelt, oft ohne mein eigenes Zutun, quasi „wie von selbst“. Manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass dabei „höhere Mächte“ ihre Hände im Spiel hatten. Dafür bin ich auch sehr dankbar, aber dennoch „fehlt“ mir etwas – eben die direkte, sinnliche „Erfahrung“ von Gott. Mein Leben wäre sicher so viel reicher und befriedigender, wenn ich Gott mehr die Kontrolle überlassen könnte und ich es zulassen könnte, dass Gott durch mich hindurch wirkt.

Wie soll es jetzt weitergehen? Was kann ich tun? Kann ich überhaupt etwas tun? Was ich nicht möchte – falls es so etwas gäbe – wäre eine Art „Beruhigungspille“, die meine Sehnsucht nach Gott einfach „ausschalten“ würde. Dann schon lieber bis ans Lebensende mit der unerfüllten Sehnsucht leben. Vielleicht hat Gott ja auch genau das für mich vorgesehen. Woher sonst, wenn nicht von Gott selbst, sollte diese Liebe und die Sehnsucht nach ihm auch kommen? War nicht er es, der sie als Funke in mich und in jeden Menschen hineingelegt hat? Ich selbst habe offenbar keinen Einfluss darauf, ob, wann und auf welche Weise Gott sich mir offenbart. Das Einzige, was mir wohl bleibt, ist, mich mit meiner Liebe und meiner Sehnsucht direkt an ihn zu wenden und alles Weitere ihm zu überlassen im Vertrauen darauf, dass er genau weiß, was das Beste für mich ist.

Mein Herz ruft nach DIR
Immerzu, ohne Ruh‘
Denn DU bist all mein Glück
Komm zu mir zurück

Wo DU auch immer hingehst, ich folge DIR
Bist DU auch tausend Meilen entfernt von mir
Ich warte jeden Tag bis DU bei mir bist
Weil sonst die Welt so leer für mich ist

Mein Herz ruft nach DIR
Immerzu, ohne Ruh‘
Denn DU bist all mein Glück
Komm zu mir zurück

Verblüht sind alle Rosen seit ich allein
Verdeckt von vielen Wolken der Sonnenschein
Ich fühle mich so einsam wie nie zuvor
Seitdem ich DEINE Liebe verlor

Mein Herz ruft nach DIR
Immerzu, ohne Ruh‘
Denn DU bist all mein Glück
Komm zu mir zurück

Mein Herz ruft
nur nach DIR!

Ein alter Schlager aus den 1950er Jahren, vor Jahrzehnten vom Radio aufgenommen.

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