Irrweg: Tonbandstimmen / Transkommunikation

Irrweg: Tonbandstimmen / Transkommunikation

Tonbandstimmen sind Stimmen auf Ton- und Datenträgern, die mit dem Ziel aufgenommen werden, Kontakt zu den Seelen Verstorbener oder zu anderen Geistwesen herzustellen. Ein anderer Fachbegriff für diesen Bereich der parapsychologischen Forschung ist Instrumentelle Transkommunikation. Die Tonbandstimmenforschung war Teil meiner Suche nach dem „Transzendenten“, also nach etwas, das mein normales Bewusstsein übersteigt und überdauert. Über 30 Jahre habe ich mich mit diesem „Hobby“ beschäftigt und leider erst viel zu spät gemerkt, dass ich damit auf dem Holzweg war.

Hinweis
Auf meiner „spirituellen Suche“ habe ich eine Vielzahl an Methoden ausprobiert, die mich aber letztlich alle nicht zum Ziel geführt haben. Deswegen bezeichne ich sie rückblickend als „Irrwege“. Einer davon ist hier beschrieben.
Zu weiteren Irrwegen siehe hier.

Oktober 1987 bis Juli 2019

Orientierungs- und Selbstfindungsphase

Im Juli 1987, im Alter von 19 Jahren, zog ich aus dem Elternhaus in einem 10.000-Einwohner-Ort aus nach Köln in ein möbliertes 9-m²-Dachzimmer mit Bad aufm Flur und Warmwasser nur gegen Münzeinwurf, das ich mir mit 165 DM Monatsmiete gerade so leisten konnte. Es war zwar sehr einfach, aber eben meine erste eigene Bude (my home is my castle!). Das halbe Jahr bis zum Beginn des Zivildienstes wollte ich als „Orientierungsphase“ nutzen, um herauszufinden, was ich im Leben wirklich wollte. Sollte ich, wie vorgesehen, Elektrotechnik studieren oder vielleicht etwas ganz anderes machen, etwa im sozialen Bereich? Ich hatte mich seit einiger Zeit schon mit spirituellem Gedankengut beschäftigt und wollte unbedingt Meditation erlernen, um so Kontakt zu meinem „Höheren Selbst“ zu bekommen, das mir dann schon den richtigen Weg weisen würde. So besuchte ich Yoga-Wochenenden im Bergischen Land oder Meditations- und Selbsterfahrungskurse, an denen es in einer Großstadt wie Köln ja nicht mangelte. Zweimal besuchte ich den Autor eines esoterischen Buches, der auch in Köln wohnte. Als ich ihm sagte, dass ich gerne etwas im spirituellen Bereich machen würde, meine Fähigkeiten aber eher im technischen Bereich lägen, brachte er den Begriff „Tonbandstimmenforschung“ ins Spiel. Das sei ein Zweig der parapsychologischen Forschung, bei dem es darum ginge, durch den Kontakt zu den Seelen Verstorbener einen wissenschaftlichen Nachweis dafür zu erbringen, dass das Leben nach dem Tod nicht zuende ist, sondern in einer „geistigen Dimension“ weitergeht. Falls dies gelänge, hätte das ungeahnte positive Auswirkungen auf die Gesellschaft, weil es eine spirituelle Dimension in die Weltanschauung der Menschen hineinbringen würde und jeder dann die Konsequenzen seines Handelns erkennen würde und automatisch ethisch korrekt handeln würde. Das faszinierte mich, denn so konnte ich meine Elektronik-Bastelleidenschaft auf ideale Weise mit meinem Interesse für Spiritualität verbinden und gleichzeitig auch noch etwas Sinnvolles tun…

Aktive Zeit

Ich beschaffte mir also Literatur über Parapsychologie, darunter den damaligen „Klassiker“ zum Thema Tonbandstimmenforschung, das Buch „Sprechfunk mit Verstorbenen“ des Schweden Friedrich Jürgenson, der das Stimmenphänomen 1959 entdeckt, darüber geforscht und seine Ergebnisse und Erfahrungen 1967 publiziert hat. Hinten im Buch war die Adresse eines 1975 gegründeten „Vereins für Tonbandstimmenforschung (VTF) e.V.“ in Düsseldorf angegeben, dem ich Ende 1987 beitrat. Ich nahm an Regionaltreffen und Tagungen teil, tauschte mich mit anderen Forschern aus, probierte verschiedene Einspielmethoden (d.h. technische Methoden zur Aufnahme solcher Stimmen) aus, modifizierte sie und entwickelte sie weiter. Es war eine faszinierende Zeit mit interessanten Begegnungen und Erfahrungen. 1997 wurde ich Mitglied im Vorstand und übernahm dort nach und nach immer mehr zentrale Aufgaben auf ehrenamtlicher Basis: 1997 baute ich die Vereins-Website auf und betreute sie seither in redaktioneller und technischer Hinsicht; ab 2001 war ich für die Redaktion und Erstellung der vierteljährlich erscheinenden Vereinszeitschrift zuständig; ab 2005 übernahm ich auch noch die Mitglieder- bzw. Vereinsverwaltung incl. Beitragseinzug; ab 2010 war ich für die Technik bei den zweimal jährlich stattfindenden Tagungen verantwortlich; außerdem war ich technischer Ansprechpartner für Mitglieder und Interessenten. Privat betrieb ich ab 1997 eine Mailingliste sowie ab ca. 2000 eine Website mit Wiki und Diskussionsforum zum Thema Tonbandstimmen bzw. Instrumentelle Transkommunikation. Meine im Jahr 2000 entwickelte und kostenlos angebotene Software namens „EVPmaker“ zur Durchführung von Tonbandstimmen-Einspielungen mittels Computer fand im Internet eine recht große Verbreitung und war Ausgangspunkt für die Entwicklung sogenannter „Ghostboxen“ bzw. „Spiritboxen“ als Hardware- und Software-Varianten durch andere Forscher. Bei einigen Vereinstagungen hielt ich Vorträge über die Ergebnisse meiner Forschungen zu neuen Einspieltechniken und -konzepten.

Die Wende

So ging das bis Ende 2018. Noch bis kurz nach der Herbsttagung 2018 hätte ich nicht gedacht, dass sich daran jemals etwas ändern würde. Ich dachte, die Tonbandstimmenforschung bzw. meine Arbeit für den Verein wäre meine „Lebensaufgabe“, ob ich das nun wollte oder nicht. Doch Gott hat wohl anders entschieden und es nach geduldigem, leisen Anklopfen endlich erreicht, dass ich ihm meine „Herzenstür“ öffnete. Nach meiner Bekehrung zu Jesus Christus Ende 2018 habe ich mich dann radikal von allen „esoterischen“ und „okkulten“ Themen losgesagt. Dies war für mich einfach nicht mehr „kompatibel“ mit meinem neuen Glauben an Gott. Zwischen Weihnachten und Neujahr führte ich in meiner Wohnung eine große „Ausmist-Aktion“ durch, der sämtliche esoterische und „spirituelle“ Literatur und alle damit in Zusammenhang stehenden Gegenstände zum Opfer fielen, darunter auch alles, was mit meinem ehemaligen „Hobby“ Tonbandstimmen zusammenhing: Bücher, Zeitschriften, Korrespondenz, technische Unterlagen, Aktenordner, Forschungsergebnisse, Audiocassetten, CDs, Geräte, Computerdateien… Ich wollte nichts mehr in meiner Wohnung haben, von dem ich wusste, dass es Gott nicht gefällt.

Loslösung

Es dauerte allerdings noch bis Juli 2019, bis ich mich ganz vom Verein lösen konnte. Da ich meine Vereinskollegen, mit denen ich jahrelang vertrauensvoll zusammengearbeitet hatte, nicht einfach so im Stich lassen wollte, sagte ich zu, meine Aufgaben noch bis zum Jahresende 2019 weiterzuführen, damit genügend Zeit für eine geordnete Übergabe bleibt. Im Juli sagte ich dann, dass ich am liebsten sofort aufhören würde, ließ mich dann aber doch „breitschlagen“, bis Ende des Jahres „durchzuhalten“. In der darauffolgenden Nacht konnte ich kein Auge zutun, da mir klar geworden war, dass ich nicht „zwei Herren“ gleichzeitig dienen konnte: Jesus und einer Sache, die eindeutig nicht dem Willen Gottes entspricht. Wenn ich weiter für den Verein tätig wäre, dann wäre mein öffentliches Taufbekenntnis, in dem ich Jesus Christus als meinen alleinigen Herrn bekennen würde, eine Lüge, daher wollte ich das unbedingt noch vor meiner Taufe Ende Juli bereinigen. Also stand ich mitten in der Nacht auf, packte allen Vereinskram (Büromaterial etc.), den ich noch hatte, in einen großen Karton und schickte ihn am nächsten Tag an den ersten Vorsitzenden, zusammen mit einem Brief, in dem ich ihm meine Beweggründe darlegte und gleichzeitig meinen sofortigen Austritt erklärte. Ich weiß, dass dies für den Verein einen „harten Schnitt“ bedeutete, aber für mich gab es da keine Alternative. Es wäre mir sogar ganz recht gewesen, wenn der Verein dadurch in solche Schwierigkeiten geraten wäre, dass er hätte aufgelöst werden müssen, denn dann hätte er keinen weiteren Schaden mehr anrichten können, indem er trauernde oder „suchende“ Menschen mit pseudospirituellen Wahrheiten einlullt. Durch meine aktive Mitarbeit im Verein, meine Öffentlichkeitsarbeit und die Entwicklung und Verbreitung meiner kostenlosen Software „EVPmaker“, die aus dem Internet nicht mehr rauszukriegen ist, habe ich mit dazu beigetragen, diese „Irrlehren“ zu verbreiten. Rückblickend bin ich auf meine Tätigkeit für den Verein alles andere als stolz, auch wenn ich damals davon überzeugt war, etwas Nützliches zu tun.

Das Tonbandstimmen-Phänomen

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Phänomen der Tonbandstimmen alles andere als unumstritten. Zwar können auf Tonbandstimmen-Aufnahmen manchmal durchaus verblüffende Resultate in Form von subjektiv gehörten „Antworten“ auf zuvor gestellte Fragen entstehen, die den Eindruck erwecken, als hätte man es bei den Urhebern dieser Stimmen mit intelligenten Wesenheiten zu tun, allerdings sind diese Stimmen i.d.R. alles andere als gut verständlich und können von anderen Personen – wenn überhaupt – meist nur nach vorheriger Kenntnis des genauen Wortlautes nachgehört werden. Der Vergleich mit „akustischer Pareidolie“ (also Selbsttäuschung, ähnlich wie beim Sehen von „Bildern“ in Wolken) liegt daher nahe. Zwar soll es in der Vergangenheit auch einige „Ausnahmeexperimentatoren“ gegeben haben, die ganz erstaunliche Resultate erzielt haben in Form von Stimmen oder Bewegtbildern, die über jeden Zweifel erhaben sind, allerdings sind solche Ergebnisse erstens selten und zweitens nicht überprüfbar und daher ohne praktische Bedeutung für eigene Experimente.

Auch ist der Inhalt solcher Stimmen i.d.R. äußerst trivial und bietet keinen besonderen „geistlichen Nährwert“, zumal niemand prüfen kann, woher oder von wem die Stimmen wirklich stammen. Selbst die Nennung von Fakten, die nur der Experimentator selbst wissen kann oder die sich erst nach Überprüfung als zutreffend herausstellen, sind kein Beweis dafür, dass es sich bei den Urhebern der Stimmen tatsächlich um die behaupteten Wesenheiten (z.B. den angesprochenen verstorbenen Verwandten) handelt, denn theoretisch kann es in einer „unsichtbaren Welt“ genauso Lügner und Betrüger geben wie in der sichtbaren Welt. Selbst „Medien“, also Personen, die angeblich über einen „sechsten Sinn“ verfügen, mit dem sie unsichtbare Realitäten wahrnehmen können, können sich nie sicher sein, womit sie tatsächlich „Kontakt“ haben.

Kontakte zu „Geistern“ sind daher aus gutem Grund in der Bibel verboten; sie führen zu nichts bzw. in die Irre, weg von der eigentlichen Wahrheit, weg vom ewigen Gott, dem Schöpfer des gesamten Universums, der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, bei dem allein die Erfüllung aller unserer tiefsten Sehnsüchte zu finden ist. Und Jesus Christus ist der einzige Weg zu Gott, unserem himmlischen Vater.

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.
– Johannes 3,16 –

Mir ist klar, dass meine geänderten Ansichten in Bezug auf Tonbandstimmen bzw. Instrumentelle Transkommunikation (ITK) bei Einigen auf Unverständnis oder auch Ablehnung stoßen werden, da ich ja lange in der „ITK-Szene“ aktiv war und dabei auch gegen Skeptiker und „religiöse Spinner“ argumentiert habe, aber vielleicht bringt es ja doch auch den einen oder anderen zum Nachdenken und Hinterfragen…

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